KRITIS Business Continuity

KRITIS-Betreiber können mit Business Continuity Management (BCM) und IT-Notfallmanagement die Ausfallrisiken ihrer KRITIS-Anlagen mindern. Ein BCMS mindert als Management-System Risiken im Betrieb der KRITIS-Anlage und ihren Prozessen und Assets — durch klare Verantwortungen, Pläne und Behandlung.
IT-Notfallmanagement mindert dann Risiken von IT-Notfällen in KRITIS-Anlagen.

Es gibt in der KRITIS-Regulierung keine expliziten Vorgaben zur Art des BCMS — Betreiber können sich an ISO 22301, BSI 200-4 orientieren. Der BSI-Katalog Konkretisierung der Anforderungen an §8a Maßnahmen behandelt Themen zur Kontinuität wie folgt:

Bereich BSI-ID Anforderung
Management-System 17 Funktionierende Governance und Verantwortung für BCM
Richtlinien 15-16 Normatives Regelwerk für BCM und IT-Notfallmanagement
Pläne 18 Rahmenwerk zur Kontinuitätsplanung
Übungen 19 Tests, Übungen und Überwachung der Kontinuität
OT-Sicherheit

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Business Continuity Management

Management-System

Für die Behandlung von Ausfallrisiken in KRITIS-Anlagen sind klare Verantwortlichkeiten und Prozesse notwendig — unterstützt durch ein Management-System für Betriebskontinuität (BCMS), das im KRITIS-Geltungsbereich die Resilienz der Geschäftsprozesse und IT erhöht.

BSI-ID Anforderung
BSI-17 Verantwortung der gesetzlichen Vertreter des Betreibers der Kritischen Infrastruktur

Rollen

Das BCMS legt dazu Rollen und Aufgaben für Kontinuität im Geltungsbereich fest:

  1. Leiter BCMS: Leitung BCMS und Verantwortung für Vorgaben der Betriebskontinuität
  2. Leiter IT-Notfallmanagement: Leitung der Vorsorge und Reaktion auf IT-Notfälle
  3. Asset-Verantwortliche: Schutz der eigenen Assets durch Vorsorge-Maßnahmen

Verantwortlichkeiten

Die Verantwortungen in den KRITIS-Anlagen für Betriebskontinuität müssen verbindlich festgelegt werden — eindeutig (A und R) und getrennt in Vorgaben, Umsetzung und Kontrolle (Funktionstrennung). Mögliche Orte für die Festlegungen durch das BCMS sind:

  1. Rollenbeschreibungen
  2. RACI-Matrizen
  3. Prozessbeschreibungen
  4. Funktionsbeschreibungen
  5. Ernennungsurkunden

Prozesse

Das BCMS steuert die betriebliche Kontinuität in den KRITIS-Anlagen durch Prozesse, u.a.:

  1. Steuerung: Betrieb des Management-Systems — Ausübung der BCM-Governance
  2. Risikoanalyse: Analyse der Ausfallrisiken von Assets und der IT, Durchführung der Business Impact Analyse (BIA), Feststellung von Risiken (RIA)
  3. Risikobehandlung: Entscheidung und Auswahl von Optionen in der Risikobehandlung, primär durch Business Continuity Pläne (BCP) und Maßnahmen
  4. Übungen und Tests: Durchführen von realistischen Tests der Pläne (BCPs), Ableiten von Maßnahmen und Lessons Learned

Nachweise

Artefakte als Nachweis für ein laufendes und funktionierendes Management-System sind u.a.:

  1. Protokolle
  2. Entscheidungen
  3. Business Impact Analysen
  4. Maßnahmen
  5. Pläne

up

Richtlinien

Die Ziele des BCM zur betrieblichen Kontinuität bei etwaigen Störungen in KRITIS-Anlagen werden durch das BCMS in einer zentralen Leitlinie (Policy) verankert. Die Leitlinie legt für das BCMS gültige Analysemethoden, Parameter, Szenarien und Auswirkungen fest.

BSI-ID Anforderung
BSI-15 Richtlinien zur Folgeabschätzung
BSI-16 Richtlinien zur Maßnahmenableitung

Rahmenwerk

Basierend auf der Leitlinie legt das BCMS in weiteren Richtlinien die Methoden, Hilfsmittel und Tools fest, die bei Analysen (BIA/RIA) und Maßnahmen in KRITIS-Anlagen zu nutzen sind.

Nachweise

Nachweise für effektive Vorgaben und Richtlinien im BCMS sind u.a.:

  1. Aktuelle Richtlinien
  2. Freigaben
  3. Revisionhistorien
  4. Änderungen
  5. Entscheidungen

up

Pläne und Maßnahmen

Die Ergebnisse eines BCMS sind in erster Linie Analysen und Transparenz über Ausfallrisiken in den KRITIS-Anlagen. Für die Behandlung dieser Risiken hat das BCMS mehrere Optionen:

  1. Maßnahmen: Präventive oder korrektive Maßnahmen in den KRITIS-Anlagen oder Prozessen können Ausfallrisiken mindern.
  2. Pläne: Dokumentation von Business Continuity Plänen (BCPs), die für Aus- und Notfälle einzelner Assets und Prozesse die notwendigen Schritte zum Wiederanlauf dokumentieren.
  3. Andere: Bestimmte Risiken oder Situationen kann das BCMS an weitere Disziplinen verweisen — wie das Krisen-Management, IT-Notfallmanagement oder auch das ISMS.
BSI-ID Anforderung
BSI-18 Planung der Betriebskontinuität

Nachweise

Artefakte als Nachweis für effektive Maßnahmen sind u.a.:

  1. BCPs
  2. Notfallpläne
  3. Umgesetzte Maßnahmen
  4. Verminderte Risiken

up

Übungen und interne Audits

Zur Verbesserung des BCMS und Weiterentwicklung der betrieblichen Kontinuität müssen regelmäßig Tests und Übungen der definierten Pläne und Maßnahmen durchgeführt werden. Dies umfasst Krisenübungen, Notfalltests, Durchspielen einzelner Pläne oder Übungen zu Kommunikation und Meldewegen. Die Übungen sollten geregelt ausgewertet und vom Betrieb und BCMS in der kontinuierlichen Verbesserung berücksichtigt werden.

BSI-ID Anforderung
BSI-19 Verifizierung, Aktualisierung und Test der Betriebskontinuität

Nachweise

Nachweise für effektive Übungen und Verbesserung des BCMS sind u.a.:

  1. Übungsberichte
  2. Auditberichte
  3. Lessons Learned
  4. Umgesetzte Maßnahmen

up

IT-Notfallmanagement

Für IT-Risiken in der betrieblichen Kontinuität ist IT-Notfallmanagement eine der möglichen Behandlungsoptionen. Die Anforderungen für IT-Notfallmanagement sind in den Kontrollen BSI-15 bis 19 im BCMS enthalten. Das IT-Notfallmanagement besteht aus zwei Prozessen:

  1. IT-Notfallvorsorge: Präventive Maßnahmen zur Vorsorge und Vermeidung von IT-Notfällen durch resiliente IT-Architektur und SLAs, Listen zur IT-Priorisierung und Wiederanlauf.
  2. IT-Notfallbewältigung: Reaktionsorganisation zur operativen Bewältigung von IT-Notfällen mit geübten Abläufen und Hilfsmitteln zur Bewältigung — zusammen mit der IT.

Nachweise

Nachweise für effektives IT-Notfallmanagement im BCMS sind u.a.:

  1. Besetzte IT-Rollen
  2. SLAs und Servicelevel
  3. Priorisierungslisten
  4. Wiederanlaufpläne

up

Integration im Unternehmen

Das BCMS muss für das Management von Ausfallrisiken im Betrieb mit weiteren Management-Systemen vernetzt sein.

  1. Risiko-Management: Meldung von Risiken und Maßnahmen an das Unternehmens-Risiko-Management, Austausch zu Methoden und Definitionen
  2. Asset-Management: Abgleich von Asset-Informationen der Assets in Scope der Anlage
  3. IT-Betrieb und IT-Sicherheit: Definition und Begleitung der Maßnahmen-Umsetzung im Betrieb; Austausch zu operativen Risiken und Bedrohungen
  4. ISMS: Behandlungsoption für Maßnahmen zur Ausfallsicherheit; gemeinsame Sicht auf IT-Assets und deren Risiken
  5. KRITIS-Organisation: Abgleich Geltungsbereich ISMS und Geltungsbereich KRITIS; Definition der IT-Systeme und Prozesse im Scope; Zusammenarbeit im Meldewesen

Weitere Informationen

Literatur

  1. Business Continuity Planning Suite, Ready.gov - DHS National Protection and Programs Directorate, März 2021
  2. IT Disaster Recovery Plan, Ready.gov, Februar 2021
  3. IT-Grundschutz-Baustein (200-1): DER.4: Notfallmanagement, Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, Februar 2021

Standards

  1. BSI-Standard 200-4, Business Continuity Management (Community Draft), Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, o.D.
  2. ISO 22301:2019, Security and resilience - Business continuity management systems - Requirements, International Organization for Standardization
  3. ISO 27031:2011, Information technology - Security techniques - Guidelines for information and communication technology readiness for business continuity, International Organization for Standardization

Quellen

  1. Konkretisierung der Anforderungen an die gemäß § 8a Absatz 1 BSIG umzusetzenden Maßnahmen, Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, Version 1.0, 28.2.2020
  2. Gesetz über das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI-Gesetz - BSIG) vom 14. August 2009 (BGBl. I S. 2821), das zuletzt durch Artikel 73 der Verordnung vom 19. Juni 2020 (BGBl. I S. 1328) geändert worden ist