KRITIS-Betreiber

Unternehmen in KRITIS-Sektoren, deren Anlagen die Schwellenwerte als Kritische Infrastruktur überschreiten, fallen unter die KRITIS-Regulierung und werden zum KRITIS-Betreiber mit einer Fülle von Cyber Security Pflichten. Versorgt ein Betreiber mit einer Anlage über 500 Tsd. Personen mit einer kritischen Dienstleistung, ist die Anlage nach den Schwellenwerten meist kritisch und der Betreiber KRITIS.

Die einzelnen KRITIS-Pflichten als KRITIS-Betreiber beginnen mit der Identifikation als Kritische Infrastruktur bis hin zu Meldepflichten, Security Maßnahmen und Prüfungen als Nachweis. Eine eigene KRITIS-Organisation kann diese Prozesse zentral steuern.

2.0 Mit dem IT-Sicherheitsgesetz 2.0 gehören auch UNBÖFI, Unternehmen im besonderen öffentlichen Interesse, zur Regulierung mit eigenen Rechtsfolgen. Die Cyber Security Pflichten für reguläre KRITIS-Betreiber erhöhen sich ebenfalls.

Pflichten von KRITIS-Betreibern

eigene Zusammenstellung KRITIS-Pflichten
Pflicht Handlung Verantwortlich
(A)
Durchführung
(R)
Dritte
(C/I)
Wann
1. Identifikation Analyse der KRITIS-Anlagen und Feststellung eigener Betroffenheit Geschäftsführung Geschäftsführung jährlich
2. Registrierung Meldung der KRITIS-Anlagen und Registrierung beim BSI Geschäftsführung Geschäftsführung BSI nach (1)
3. Meldungen Informationen zu IT-Störungen, Angriffen und Vorfällen ans BSI Geschäftsführung CISO BSI unverzüglich
4. Geltungsbereich KRITIS-Anlagen definieren und Scope im Unternehmen festlegen Geschäftsführung CISO nach (1)
vor (6)
5. Cyber Security Angemessene Cyber Security Maßnahmen umsetzen Geschäftsführung IT/OT/Betrieb regelmäßig
6. Prüfungen Umsetzung der Cyber Security Maßnahmen nachweisen Geschäftsführung KRITIS-Prüfer BSI zweijährlich

Wie werde ich KRITIS-Betreiber?

Betreiber sind für die Identifikation und Feststellung der Betroffenheit ihrer Anlagen und Schwellenwerte selbst verantwortlich. Die Analyse beginnt bei den Dienstleistungen der KRITIS-Sektoren — Betreiber müssen mögliche KRITIS-Anlagen im eigenen Betrieb identifizieren und das Überschreiten von Schwellenwerten dabei selbst erkennen.

Werden Schwellenwerte von Anlagen überschritten, müssen Betreiber diese Anlage beim BSI als Kritische Infrastruktur und sich selbst als KRITIS-Betreiber registrieren. Anlagen und Betreiber, die in KRITIS-Sektoren über 500 Tsd. Personen versorgen, sind meist KRITIS. Die Schwellenwerte sind jedoch zwischen den KRITIS-Anlagen unterschiedlich.

Gibt es Listen?

Nein. Die Listen registrierter Betreiber und Anlagen sind nicht öffentlich. Der Gesetzgeber spricht 2021 von etwa 1.600 registrierten Betreibern.

Meldungen an das BSI

Nach der Registrierung unterliegen KRITIS-Betreiber weiterhin einem Austausch mit dem BSI und Meldepflichten. Stören Angriffe oder Vorfälle die kritische Dienstleistung der KRITIS-Anlage oder haben das Potenzial dazu, müssen Betreiber den Vorfall an das BSI melden. Das BSI kann während der Bewältigung Informationen ersuchen und Unterstützung anbieten.

2.0 Die Informationspflichten an das BSI werden mit dem IT-Sicherheitsgesetz 2.0 zunehmen — neben mehr Informationen zur IT/OT noch tiefere Daten zu Angriffen und Schwachstellen.

Geltungsbereich

Nach Feststellung der eigenen Betroffenheit müssen Betreiber den Geltungsbereich der KRITIS-Anlagen im eigenen Unternehmen definieren. Der Geltungsbereich beschreibt pro Anlage die für den Betrieb notwendigen Prozesse und Technologien (IT und OT) und ist im weiteren Verlauf relevant für:

  1. Cyber Security Maßnahmen: Der Geltungsbereich definiert die Grenzen der in den Anlagen notwendigen Sicherheitsvorkehrungen (durch angemessene Maßnahmen).
  2. BSIG Nachweisprüfungen: Bei der Prüfung der Sicherheitsvorkehrungen in den KRITIS-Anlagen definiert der Geltungsbereich den Scope der Prüfung für den KRITIS-Prüfer.

Zum Geltungsbereich gehört ebenso der Netzstrukturplan der KRITIS-Anlage und eine Dokumentation der (externen) Schnittstellen und Datenflüsse.

Cyber Security

Mit der Betroffenheit als Kritische Infrastruktur sind KRITIS-Betreiber sind für Cyber Security und IT-Sicherheit in ihren KRITIS-Anlagen verantwortlich. Dazu müssen sie in den KRITIS-Anlagen wirksame Cyber Security Maßnahmen umsetzen, unter anderem:

  1. Organisatorische Maßnahmen: Management-Systeme wie ISMS und BCMS helfen beim Management von Sicherheit und Cyber-Risiken in den KRITIS-Anlagen.
  2. Technologie: Maßnahmen nach Stand der Technik schützen die IT, OT, Infrastruktur und Betriebsorganisation der KRITIS-Anlagen beim Betreiber.
  3. Angriffserkennung: Systeme und Prozesse zur Detektion wie SIEM und IDS aber auch CSIRT und SOC ermöglichen eine angemessene Reaktion auf Störungen und Angriffe.

Die wichtigsten Cyber Security Maß für KRITIS-Betreiber in ihren KRITIS-Anlagen sind in einem separaten Abschnitt zu Cyber Security erläutert.

Prüfungen

Die Angemessenheit und Wirksamkeit der IT-Sicherheitsmaßnahmen in den KRITIS-Anlagen müssen KRITIS-Betreiber alle zwei Jahre durch Prüfungen oder Audits nachweisen. KRITIS-Betreiber müssen die Prüfungen dafür selbst planen und beauftragen.

In den §8a BSIG Nachweisprüfungen untersuchen (in der Regel externe) Prüfer den KRITIS-Geltungsbereich, das dortige Risiko-Management und das Vorhandensein (Angemessenheit) und die Effektivität (Wirksamkeit) von Cyber Security Maßnahmen.

Das komplette Prozedere zur Vorbereitung, Durchführung und Management dieser Prüfungen für KRITIS-Betreiber ist in einem separaten Abschnitt zu Prüfungen erläutert.

Weitere Informationen

Quellen

  1. Gesetz zur Erhöhung der Sicherheit informationstechnischer Systeme vom 17. Juli 2015 (IT-Sicherheitsgesetz), Bundesgesetzblatt Jahrgang 2015 Teil I Nr. 31, ausgegeben zu Bonn am 24. Juli 2015
  2. Verordnung zur Bestimmung Kritischer Infrastrukturen nach dem BSI-Gesetz (BSI-Kritisverordnung - BSI-KritisV), vom 22. April 2016 (BGBl. I S. 958), die durch Artikel 1 der Verordnung vom 21. Juni 2017 (BGBl. I S. 1903) geändert worden ist
  3. Gesetz über das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI-Gesetz - BSIG) vom 14. August 2009 (BGBl. I S. 2821), das zuletzt durch Artikel 73 der Verordnung vom 19. Juni 2020 (BGBl. I S. 1328) geändert worden ist